Über elf Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle entstehen jedes Jahr in Deutschland, mehr als die Hälfte stammen aus Haushalten (UBA, 2024). Viele Lebensmittelabfälle ließen sich gerade dort leicht vermeiden. Das verdeutlichte der BUND Berlin unter anderem im kürzlich abgeschlossenen Projekt „High-Decks ohne Müll“ in der Neuköllner High-Deck-Siedlung mit einem Null-Müll-Kochbuch. Die Idee entstand mit der Frage, wie sich über 8.000 Mieter*innen einer kulturell vielfältigen und sozial schwachen Großwohnanlage zum Thema Müll erreichen lassen.
Gewinnspiel „Schick uns dein Lieblingsrezept für das Null-Müll-Kochbuch der High-Deck-Siedlung“
Zu Beginn des Projektes im Juli 2024 entwickelte der BUND Berlin mit den Kooperationspartner*innen, der HOWOGE und dem Quartiersmanagement, ein erstes Konzept. Mit dem Gewinnspiel „Schick uns dein Lieblingsrezept für das Null-Müll-Kochbuch der High-Deck-Siedlung“ startete die Aktion im Dezember 2024. Bis Ende September 2025 gingen über 60 Beiträge der Anwohnerschaft per E-Mail, WhatsApp und in Papierform ein. Ergänzend richtete sich der Aufruf auch an die sozialen Einrichtungen in der High-Deck-Siedlung und an (Berliner) Zero-Waste-Akteur*innen. Insgesamt 53 ausgewählte Rezepte stehen nun im Null-Müll-Kochbuch – als Vorspeisen, Hauptgänge, Desserts und Getränke. Die Rezepte bringen arabische, türkische und andere internationale Küchen mit Klassikern der deutschen Küche zusammen. Zudem gibt es Rezepte aus Lebensmittelresten und mit Alternativen zu Fleisch. Manche Rezepte vermitteln Kenntnisse zu Haltbarkeit und andere regen zum Selbermachen – beispielsweise von Brot, Pasta oder Limonade – an. Ein paar Rezepte bestehen nur aus wenigen Zutaten. Die veröffentlichten Rezeptbeiträge bilden sowohl viele Facetten von Nachhaltigkeit als auch die kulturelle Vielfalt der High-Deck-Siedlung ab.
Ein Kochbuch mit Zero-Waste- und Mülltrenntipps
An die Rezeptsammlung schließt ein zweiter Teil mit Wissen über Abfallvermeidung und Mülltrennung an. Darunter finden Leser*innen allgemeine Hinweise zum Upcycling von Lebensmitteln, zur Mülltrennung in der Küche und zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen beim Kochen. Zudem kommen beispielsweise ehrenamtlich engagierte Zero-Waste-Botschafter*innen aus der High-Deck-Siedlung zu Wort. Sie schildern unter anderem, was im Koran zum Thema Verschwendung und Müll steht. In der Großwohnanlage gehört die Mehrheit aller Bewohner*innen zum muslimischen Glauben, der Ressourcenschutz positiv hervorhebt.
Abschlussveranstaltung: Buffet gegen Lebensmittelverschwendung
Zum Abschluss der Rezeptsammlung organisierten der BUND Berlin, das Quartiersmanagement und das Stadtteilzentrum Köllnische Heide am 29. September 2025 das „Buffet gegen Lebensmittelverschwendung“. Die Aktion brachte Bewohner*innen verschiedenster Generationen und Herkünfte – auf einem der namensgebenden High-Decks (dt. Fußgängerbrücken) – an einen Tisch. Damit leistete das Projekt „High-Decks ohne Müll“ einen Beitrag zum berlinweiten Tag für Lebensmittelwertschätzung der Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz.
Die Abschlussveranstaltung sendete ein klares Signal, selbst gegen Lebensmittelverschwendung aktiv zu werden. Im Null-Müll-Kochbuch festgehalten, bleibt der Aufruf zum Handeln bei der Leserschaft präsent.
Die Köch*innen des Null-Müll-Kochbuchs
Neben Rezepten von Anwohner*innen stehen aus der High-Deck-Siedlung Rezepte vom Freilandlabor Britz, vom Stadtteilzentrum Köllnische Heide und von den Mädchenräumen drin. Die Rezeptbeiträge und Tipps der (Berliner) Zero-Waste-Akteur*innen stammen von Restlos Glücklich, dem Projekt KIMBA der Berliner Tafel, der Verbraucherzentrale Berlin, der Zero-Waste-Köchin Sophia Hoffmann, dem Caterer und Shop Roots Radicals, der Berliner Stadtreinigung und ALBA.
Das Null-Müll-Kochbuch liegt bald in gedruckter Form in der High-Deck-Siedlung aus und steht hier auch digital zur Verfügung:
Zum Projekt „High-Decks ohne Müll“:
Das Projekt „High-Decks ohne Müll“ ging das Abfallproblem in der High-Deck-Siedlung ab Juli 2024 an. Besonders an den Müllsammelplätzen unter den namensgebenden „High-Decks“ (dt. Fußgängerbrücken) setzte das Projektteam Maßnahmen um – mit einer Statistik zur Mülltrennung, einem neuen Müllplatzschild, der Installation von Präsenzmelder-Beleuchtung und per Aufkleber für Bio- und Papiertonnen. Mit zahlreichen Aktionen, unter anderem gegen ungefaltete Kartons in den Papiertonnen und Plastik im Biomüll, setzte sich das Projektteam für mehr Lebensqualität im Quartier ein. Das Projekt endete am 31. Dezember 2025 und wurde von der Stiftung Naturschutz Berlin aus Mitteln des Förderfonds Trenntstadt Berlin gefördert. Ein Auszug aus den durchgeführten Aktionen findet ist unter Aktuelles zu lesen.



