Am Samstag, dem 19. Juli 2025, wurde der Zukunftskiez am Dammweg 216 in Neukölln zum Schauplatz eines rundum gelungenen Reparatur- und Tauschfests. Von 13 bis 19 Uhr füllte sich das Gelände mit engagierten Bürger*innen, neugierigen Kindern, versierten Reparateur*innen. Die Atmosphäre war vom Tausch- und Reparaturgedanken, kultureller Offenheit und gegenseitiger Unterstützung geprägt.
Verbindende Momente zwischen Ehrenamt und Handwerk
Ein besonderes Highlight war die starke Präsenz von Reparateur*innen aus verschiedenen Repair Cafés aus ganz Berlin, die ihr Wissen und ihre Zeit mit großer Hingabe einbrachten. Ihre Erfahrung wurde an den Werkbänken sichtbar und das ganz unkompliziert, in gelöster Atmosphäre und im intensiven Austausch mit Besucher*innen.
Aber auch im konstruktiven Miteinander mit den Handwerksbetrieben der Handwerkskammer wurden neue Kontakte zwischen ehrenamtlichen und professionellen Reparatur-Initiativen geknüpft. Die Angebote der Fahrradstation, der Rixdorfer Schmuckschmiede und Posh-Schuhreparatur wurden gut angenommen und waren stark nachgefragt.
Die Initiative „repami – Netzwerk Qualitätsreparatur“ stellte außerdem seinen neu entwickelten Reparaturkoffer vor, den sich Interessierte ab jetzt ausleihen können.
Reparieren, Tauschen, Upcycling – und Bewusstsein schaffen
Es wurde vieles mitgebracht: defekte Elektrogeräte, kaputte Fahrräder, ausgetragene Schuhe und insbesondere liebgewonnene Kleidungsstücke. Vieles davon konnte direkt vor Ort repariert werden. Auch der Tauschladen war gut besucht: gut erhaltene Kleidungsstücke und Hausratsgegenstände wechselten die Besitzer*innen, neue Lieblingsstücke wurden entdeckt.
Besonders beliebt waren die kreativen Upcycling-Angebote: Beim Textildruck vom Kulturlabor Trial & Error konnten mit Farbe und Schablonen neue Akzente auf alte T-Shirts gebracht werden. Wer lieber mit Garn arbeitete, konnte beim Visible Mending mit Needling Berlin aus beschädigten Kleidungsstücken wahre Kunstwerke machen. Und für schnelle Verschönerung sorgten bunte Bügel-Designs zum Aufwerten von Textilien.
Auch die Workshops boten spannende Einblicke und praktische Erfahrungen: Beim Emaillieren von Metallen konnten eigene Schmuckanhänger individuell gestaltet und mit nach Hause genommen werden. Parallel dazu zeigte der Workshop „Mit Linux gegen E-Waste“, wie alte Laptops durch die Installation freier Software wieder nutzbar gemacht werden können, eine wertvolle Hilfe für alle, die nach dem Ende von Windows 10 mit ihrem Gerät weiterarbeiten möchten.
Ein Fest für Groß und Klein
Das Kinderprogramm war abwechslungsreich und lud zum Entdecken und Mitmachen ein. Besonders beliebt waren die Seifenblasen und der Barfußpfad, die für spielerische Sinneserfahrungen sorgten. Zwei interaktive Stationen stachen besonders hervor: Bei selbstgebauter Musik konnten ungewöhnliche Instrumente aus Alltagsmaterialien gebaut und direkt ausprobiert werden – mit überraschenden Klängen und kreativen Konstruktionen. Im Reparatur-Parcours wurden die Besucher*innen spielerisch herausgefordert, ihre Geschicklichkeit im Reparieren unter Beweis zu stellen. Bei den Zero-Waste-Botschafter*innen aus dem Projekt „High-Decks ohne Müll“ in der benachbarten High-Deck-Siedlung falteten die Kinder Tüten aus alten Zeitschriften, die sich in ihren Händen in kleine Kunstwerke verwandelten.
Gelebte und kulturelle Vielfalt mit Musik- und Performanceprogramm
Besonders schön war die spürbar kulturell vielfältige Mischung, die sich durch das gesamte Fest zog: Menschen aus unterschiedlichsten Hintergründen, Altersgruppen und mit verschiedensten Interessen kamen ins Gespräch, tauschten Erfahrungen aus, reparierten gemeinsam oder ließen sich einfach inspirieren. Ob bei Musik, Workshops oder an den Reparaturstationen: Überall entstanden Begegnungen auf Augenhöhe.
Eröffnet wurde das Musik- und Performanceprogramm von Rara Perform-Art, die als leuchtend-bunter Pfau über das Gelände schritt und mit ihrer schrillen Präsenz zwischen Publikum und Bühne interagierte. Es folgte ein musikalisches Programm, das die kulturelle Vielfalt des Festes auf besondere Weise zum Klingen brachte: Paul Brody, zunächst als Saxophonist angekündigt, überraschte mit feinen Improvisationen auf der Trompete. Talin Jobanian und ihre Band Harazan brachten armenische Tanzlieder auf die Bühne und gaben dabei Einblicke in eine lebendige Musikkultur. The Dienstags Choir überzeugte mit kraftvollen, mehrstimmigen Interpretationen von (Indie-)Pop-Songs – geballte Power von Neukölln für Neukölln. Den Abschluss gestalteten Apo und Alican, die mit orientalisch-elektronischen Sounds und live gespielter E-Gitarre eine tanzbare und hypnotische Atmosphäre schufen.
Ein Tag, der Mut macht
Das Reparatur- und Tausch-Fest hat gezeigt, was möglich ist, wenn Nachbarschaft, Handwerk, zivilgesellschaftliches Engagement und Kultur zusammenkommen. Es war nicht nur ein „Fest der Dinge“, sondern vor allem ein Fest des Miteinanders, des Lernens und des Selbermachens.






















